Mitgliederversammlung der Bibliotheksgesellschaft Celle mit anschließender Lesung Hermann Wiedenroths

Die Bibliotheksgesellschaft Celle hatte zur Mitgliederversammlung in den Kreistagssaal geladen. Neben der Abstimmung über eine Satzungsänderung stand auch die Neuwahl des Vorstandes und der Kassenprüferinnen auf der Tagesordnung. Zwei Mitglieder schieden aus dem Vorstand aus, alle anderen wurden im Amt bestätigt. Ab sofort gehören dem Vorstand sieben Mitglieder an.

Der wiedergewählte Vorstand der Bibliotheksgesellschaft (v.l.): Dagmar Behrens, Dr. Silke Wachsmuth-Uhrner, Rainer Petzold, Erika Trichterborn, Sabine Richter. Auf dem Foto fehlen Dr. Gunter Thies und Hermann Mau.

Hermann Wiedenroth im Kreistagssaal Celle

Die im Buchhandel vergriffene "Große Halunkenpostille"

Fritz Grasshoff (1913 - 1997)

Nach der Begrüßung aller anwesenden Mitglieder durch den ersten Vorsitzenden Rainer Petzold und einer kurzen Rückschau auf die Aktivitäten der Bibliotheksgesellschaft seit der letzten Versammlung, waren die Berichte der Leiterin der Stadtbibliothek, Petra Moderow, und des Leiters der Kreisfahrbücherei, Johannes von Freymann, über die Situation der Bibliotheken in Stadt und Landkreis für alle Zuhörenden in dieser komprimierten Form wie immer sehr informativ.  

Die anschließende öffentliche Lesung war einem Sohn der Stadt gewidmet, der immerhin für siebzehn Jahre in Celle lebte: Die Rede ist von Fritz Graßhoff, einem wahren Multitalent, das seine Berufung sowohl als Maler und Zeichner, als Übersetzer aber auch als Schriftsteller sah.

Hermann Wiedenroth, dessen exzellenter Vortrag das Publikum zum Kichern, Schmunzeln und spontanen Applaudieren brachte, hatte einige Auszüge aus dessen umfangreichen literarischen Schaffen ausgewählt, die er zu Gehör brachte.

Den Anfang machte der „Nicht allgemein gültige Bauernkalender“, dessen zwölf Verse die Zuhörer gekonnt einstimmten auf die schonungslos drastische Sprache Graßhoffs.

Das Büchlein „Gedichte zum Durchblättern“ enthält unter anderem das Gedicht „Catull – An den Hungerleider Furius, als der ihn anpumpen wollte“. Wiedenroths treffende Interpretation dieser sarkastischen Verse vermittelte dem Auditorium einen ersten nachhaltigen Eindruck von Graßhoffs außergewöhnlichem Talent als Übersetzer antiker Autoren.

Als Autor bekannt geworden ist Fritz Graßhoff vornehmlich durch seine „Halunkenpostille“. Sie enthält mehr als einhundert Gedichte in Reimform, die die Menschen in ihrem Milieu zum Thema haben, mal frech, mal bissig, mal lustig. Hermann Wiedenroth lenkte das Augenmerk seiner Zuhörer gekonnt auf die Pintenbaladen Graßhoffs, die zum überwiegenden Teil während seiner Zeit in Celle entstanden. Diese Liedvertonungen seiner Gedichte trugen wesentlich zum wirtschaftlichen Auskommen bei, sorgten aber gleichzeitig dafür, dass die Kritiker, die ihn zuvor mit Ringelnatz und Kästner verglichen, ihn auf Grund seines Erfolges als Liedtexter diffamierten.

Fritz Graßhoff, ein eigenwilliger Schriftsteller mit Humor und Sympathie für seine Protagonisten, der Doppelmoral sichtbar machen konnte, ein facettenreiches Multitalent, in Kombination mit Hermann Wiedenroth als Vortragendem – wie nicht anders zu erwarten sehr kurzweilig, unterhaltsam und bereichernd!

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